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01/2003
Anti-Aging - lässt sich das Leben wirklich verlängern?
30 % Ihres potenziellen Alters ist bereits bei der Geburt festgelegt durch Ihre Gene. Den Rest Ihrer maximal erreichbaren Lebensjahre gestalten Sie selbst! Durch Life-Stile Faktoren wie Ernährung und Bewegung, aber auch durch Genussgifte wie Zigaretten und Alkohol. Vergleichen Sie sich einmal mit Ihrem Auto: Ein Auto welches Sie erst warm fahren, in der Garage parken, regelmäßig Öl wechseln und in die Inspektion geben wird viel länger laufen. Ein Auto, welches im Kaltstart schon stark beschleunigt wird, ständig mit Vollgas belastet wird, der Ölwechsel vergessen wird, fährt auch - nur nicht so lange! Kurz: Es geht von hinten weg.
Die effektivste Art, um länger und vor allem gesund zu leben, ist genau so simpel wie unpopulär: Die tägliche Kalorienaufnahme einfach halbieren, und man lebt um bis zu 50 % länger. Etwas einfacher, aber immer noch unbeliebt, ist auf spätes Abendessen zu verzichten. Amerikanische Altersforscher bringen es auf den Punkt: "Essen ab 17 Uhr gib nur deinem Feind."
Wachstumshormon - der natürliche menschliche Jungbrunnen
Wie wir wissen, ist Insulin der natürliche Feind des menschlichen Wachstumshormons (HGH), welches als das Anti-Aging-Hormon gilt. Denn je länger die körpereigene Produktion erhalten bleibt, desto langsamer altern wir. Das ist medizinisch bewiesen. HGH reduziert das Fett, sowohl das sichtbare Körperfett als auch das Fett in den Blutgefäßen, welches langfristig für Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich ist. HGH baut Muskeln auf und strafft die Haut. Sogar die Osteoporose wird gebremst. Kein Wunder, dass dieses Hormon immer häufiger in der Anti-Aging-Medizin angewendet wird. Besonders im amerikanischen Palm Springs, besser bekannt unter "dem Wartezimmer Gottes", stürmen alternde Beaus und Filmstars die Internistenpraxen, um sich ihre wöchentliche Ration HGH spritzen zu lassen. Nick Nolte, bekennender Hormon-Freak, spritzt sich seine Dosis sogar selbst. So erhalten 60-jährige wieder einen HGH-Spiegel von 30-jährigen. Legitimiert wird diese immens teure Hormonkur mit der nicht ganz von der Hand zu weisenden Begründung: Wenn die natürliche körpereigene Produktion dem Dreißigjährigen nicht geschadet hat, wird die entsprechende Auffrischung auch dem Sechzigjährigen nicht schaden.
Kurbeln Sie Ihre natürliche Produktion an!
Spritzen sind jedoch nicht unsere Methode, um der Jugend auf die Sprünge zu helfen. Denn mit ein paar Tricks kann man auf die teuren Hormoninjektionen verzichten:
Vermeiden Sie hohe Insulinspiegel am Abend, denn Insulin unterdrückt die körpereigene HGH-Produktion, welches ausschließlich nachts in der Hirnanhangsdrüse produziert wird. Darum der Tipp für ein späteres Abendessen nach 17.00 Uhr: Ein magerer Fisch vom Grill (Loup de Mer) mit Gemüse und Salat, möglichst wenig Reis, Nudeln oder Kartoffeln dazu essen. Dadurch kommt es zu keiner starken Insulinausschüttung am Abend, und der natürlichen Hormonproduktion stehen Tür und Tor offen!
Auch das tägliche Gläschen Alkohol unterdrückt die HGH-Produktion. Selbstverständlich sind nicht nur die stillen, gepflegten Gewohnheitstrinker vom "französischen Paradoxon" fasziniert: Alkohol trinken und dadurch das Herz schützen! Diese scheinbar positiven Studien, durch die Bank von der Weinindustrie in Auftrag gegeben, belegen die schützende Wirkung insbesondere des Rotweins auf die Herzkranzgefäße. Das kann roter Traubensaft aber auch! Übersehen wird immer, dass Frankreich die höchste Rate an Leberzirrhotikern aufweist und das vom Alkohol allenfalls die Herzkranzgefäße profitieren, nicht aber der Herzmuskel. Darum gilt für die modernen Anti - Aging Hardliner folgende Regel: Alkohol weder mäßig noch regelmäßig!
Doch es gibt Trost: Drei Tage absoluter Alkoholabstinenz lassen die Leber sogar einen einmaligen Vollrausch (fast) völlig vergessen. Die Leber kann sich nämlich sehr gut regenerieren. Wer also auf seinen Chateaux de la Migraine nicht gänzlich verzichten möchte, der sollte 1 - 2 mal pro Woche seinen Schoppen genießen! Die restlichen Tage gehören der Leberregenration und der HGH-Produktion.
Schlafen Sie früh, kühl und dunkel!
Gehen Sie möglichst früh zu Bett! Gerade den ersten Nachtstunden ist die HGH-Produktion am höchsten. Nur nachts wird das Hormon in der Hirnanhangsdrüse produziert und ausgeschüttet. Auch sollte das Schlafzimmer kühl und dunkel sein. Damit wird ein weiterer Jungmacher, das Melatonin, ebenfalls in höheren Konzentrationen ausgeschüttet.
Bremsen oder Gas geben?
Achten Sie auf Ihr Langzeitstresshormon Cortisol. Dieser Hormonspiegel steigt an unter Stress und beleuchtet die Situation der letzten 5 - 6 Monate. War diese Zeit sehr aufreibend und angespannt, so steigt Ihr Hormonspiegel an auf Werte über 20 µg/ml. Ab 20 µg/ml empfehle ich meinen Patienten 2 Wochen Malediven ohne Fax und Telefon. Denn Cortisol ist ein abbauendes (kataboles) Hormon, welches zwangsläufig die erwünschte Produktion der aufbauenden (anabolen) Hormone unterdrückt. Der Körper kann nicht Gas geben und bremsen zur gleichen Zeit! Die wichtigsten anabolen Hormone sind HGH und Testosteron, beide bekannt aus dem Leistungssport. Die Schlauen dopen mit HGH, die Dummen mit Testosteron. Beide Hormone sind typischer Weise bei gestressten Menschen unterdrückt.
So senken Sie die Stresshormone
Das Cortisol lässt sich messbar senken durch Stressmanagement auf der körperlichen und mentalen Ebene. Überaus positiv wirkt sich tägliches leichtes Ausdauertraining auf unseren Körper und unseren Geist aus. Weitere mentale Entspannung finden wir durch die effektivste Entspannungsübung, genannt Relaxation response, die von Professor Benson von der Harvard-University begründet wurde, und die auch wir in unseren Seminaren lehren.
Dass HGH nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen lebenswichtig ist, spricht sich langsam auch in der deutschen Schulmedizin herum. "Zu fett, ohne Lust und immer müde", so umschreibt man die durch falsche Lebensweise nachlassende HGH-Produktion. 90% der Menschen haben erniedrigte HGH-Spiegel, darum bewirkt oft schon eine leicht erhöhte Hormonproduktion wahre Wunder. Auch wenn sich viele Ärzte schwer tun, den Hormonwert im Blut zu messen, so kann man zumindest Ihren Gesamteiweißwert im Blut messen. Wir wünschen uns einen Eiweißwert im oberen Drittel, doch leider dümpeln viele Menschen mit mittleren oder mickrigen Eiweißspiegeln durchs Leben. Dementsprechend leidet die Hormonproduktion, denn Grundbaustein für diese begehrten Hormone ist und bleibt das Eiweiß.
Bangemachen gilt nicht!
Täglich lesen wir: "Wir essen alle zu viel Eiweiß!". Das stimmt aber nicht. Im Blut messen wir zumindest regelmäßig zu wenig als zuviel Eiweiß. Das Missverständnis lautet: "Wir essen zu viel Fleisch" - und das stimmt! Das Eiweiß in Fisch und Fleisch ist zwar sehr gut, aber das Cholesterin, die Triglyceride und die Harnsäure sind überhaupt nicht gut und damit die eigentlichen Krankmacher, nicht das Eiweiß. Eiweißbomben ohne Reue sind Pellkartoffeln mit Quark oder Ei, Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen sowie Körner.
Da HGH aus Eiweiß unter Mitwirkung von Zink gebildet wird, müssen wir ebenfalls für einen ausreichenden Eiweiß- und Zinkspiegel sorgen. Bei Zinkmangel hilft Zinkorotat aus der Apotheke, zur gezielten Eiweißsubstition empfehle ich meinen Patienten das Aminopower plus von Cadion, welches unmittelbar vor dem Einschlafen eingenommen wird und durch hohe Konzentrationen an Arginin und Lysin die natürliche körpereigene Produktion beflügelt. Schon nach 30 Minuten steigt die natürliche Produktion deutlich an, das ist medizinisch bewiesen.
Fazit:
Wir können den Alterungsprozess mit nur wenig Einsatz bremsen. Meiden Sie Fett. Essen Sie so früh wie möglich zu Abend. Bei späterem Abendessen lassen Sie die Kohlenhydrate weg und beschränken sich auf mageren Fisch oder Wild mit Salat oder Gemüse. Entwickeln Sie Ihre persönliche Strategie zur gesunden Stressbewältigung. Lassen Sie regelmäßig Ihre Blutwerte untersuchen (siehe Kasten) und - falls nötig - optimieren.
Servicekasten Blutwerte: |
| |||
Blutwert |
| Empfehlung |
| |
HGH |
| über | 2 | µIU/dl |
Cortisol |
| unter | 15 | µgl |
Melatonin |
| über | 5 | ng/l |
DHEA-S |
| über | 300 | µg/dl |
Gesamteiweiß |
| über | 7,7 | g/dl |